pH-Wert - Grundlegend entscheidend beim Gärtnern für Boden und Pflanzengesundheit

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pH-Wert - Grundlegend entscheidend beim Gärtnern für Boden und Pflanzengesundheit
Im Garten entscheidet der pH-Wert über Leben und Tod der Pflanzen. Er bestimmt durch etliche chemische und biologische Prozesse die Aktivität des Bodenlebens, die Verfügbarkeit von wichtigen Nährstoffen und ist verantwortlich für eine luftige und krümelige Bodenstruktur. 
Ein ungünstiger pH-Wert im Boden kann dazu führen, das gewisse Stoffe von den Pflanzen nicht aufgenommen werden, selbst wenn diese ausreichend im Boden Verfügbar sind. Der Säuregrad im Erdboden bestimmt direkt das Pflanzenwachstum, dadurch lohnt es sich mit dem pH-Wert zu beschäftigen. Um das zu vereinfachen, gebe ich hier einen Überblick um den pH-Wert kennen zu lernen und ihn anwenden zu können.

Geschichte – Grundlegendes zum pH-Wert

Die Buchstaben 'pH' stehen für [potentia Hydrogenii], was aus dem Lateinischen übersetzt „Potential/Kraft des Wasserstoffs“ bedeutet. Dadurch wird der Gehalt sowie die Aktivität von Wasserstoff im Boden bezeichnet.
1909 hat der dänische Chemiker Søren Sørensen der Begriff pH-Wert, für die Konzentration von Wasserstoffionen, in der Schreibweise „pH+“ festgelegt.
Der pH-Wert ist ein Maß für den Säure-Basencharakter von Flüssigkeiten. Auf einer Skala von 0 bis 14 wird mit einer einzigen Zahl der pH-Wert als sauer, neutral und alkalisch bezeichnet. Gemessen wird die Konzentration der positiv geladenen Wasserstoffionen in der Bodenflüssigkeit. Umso höher die Konzentration der Wasserstoffionen (H+) ist, desto niedriger ist der pH-Wert.
Was sind Wasserstoff-Ion?

Ein Wasserstoff-Ion ist genau genommen, der Kern eines Wasserstoff-Atoms getrennt von seinem begleitenden Elektron. Der Wasserstoffkern besteht aus einem Teilchen, das eine positive elektrische Einheitsladung trägt. Dem Proton, dargestellt durch das Symbol H+.

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Die pH-Skala reicht von 0 bis 14 - Die meisten Böden bewegen sich in Bereichen von 4 bis 9

Hintergrundwissen - Warum der pH-Wert entscheidend ist

Verschiedene Nährstoffe und Mineralien sind nur in einem bestimmten Milieu für die Pflanzen verfügbar. Dies unterscheidet sich je nach Pflanzenart. 

Über die Wurzeln können Pflanzen Nährstoffe aufnehmen, sofern diese durch Bodenflüssigkeiten gelöst wurden. Hauptnährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Schwefel und Magnesium sind im einem pH-Wert Bereich von 6 bis 8 gut für Pflanzen verfügbar. Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Zink, Mangan und Bor, können hingegen in einem sauren Milieu leichter von den Wurzeln aufgenommen werden.
Überwiegend bevorzugen die meisten Pflanzen einen leicht saures bis neutrales Milieu. Ein Waldboden mit humusreicher Erde ist von Natur aus leicht sauer und liegt im Wert bei etwa 5,5 bis 6,5. Einen Wert unter 5 und über 9 tolerieren nur wenige Pflanzenarten. Ist der pH-Wert für eine Pflanze zu hoch oder niedrig, können Pflanzen absterben, Samen werden bei der Keimung gehemmt oder es führt zu einem Kümmerwuchs. Wobei Pflanzen in einem passenden pH-Wert prächtig gedeihen und sich auch reichlich vermehren.
Mitteleuropäische Böden sind für den Großteil unserer Nutzpflanzen optimal und haben im durchschnitt einen pH-Wert von 5,5 bis 7. Auf Südeuropäische Böden gedeihen eher gut speziellere Pflanzen und sind in gewissen Regionen saurer als 5,5 und in anderen Regionen hingegen alkalischer, mit einem Wert über 7. Dadurch ist oftmals eine Bearbeitung und Veränderung des Bodens im Subtropischen Bereich notwendig um ein gutes Wachstum der Pflanzen zu erzielen.

Tipp

Um die verschiedenen pH-Werte jeder einzelnen Pflanze kennen zu lernen, findest du den Wert für jede Sorte in der Produktbeschreibung auf meiner Website.

Den Boden pH-Wert testen

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Bodenanalyse mit einem handelsüblichen Messgerät
Getestet kann der pH-Wert im Boden mittels eines pH-Wert-Teststreifens, einem digitalen Bodentester oder einer umfangreichen Bodenanalyse durch ein Labor. Für jeder dieser 3 Möglichkeiten steht eine große Bandbreite an Möglichkeiten zur Verfügung.

Hinweis

Wichtig zu beachten ist: „Dass die jeweilige Testmethode beeinflusst, welches Ergebnis erhalten wird und so Unterschiede bei verschiedenen Messmethoden auftreten können.“ Dies wird in erster Linie durch die Temperatur und durch die im Wasser gelösten Stoffe beeinflusst. In der Regel wird eine Messung bei 25°C und destilliertes Wasser oder Calciumchlorid-Suspensionen durchgeführt. Die Ausnahme sind Digitale Messgeräte, die direkt im Boden durch zwei Messelektroden fließenden Strom messen und anschließend als pH-Wert interpretieren.
Ich kann empfehlen nur eine Messmethode dauerhaft anzuwenden. Denn es kommt nicht auf den genauen Wert an, eher darauf das ein Gefühl für die verschiedenen Bereiche und die Unterschiede gewonnen wird. Denn die Angabe des pH-Wertes sagt nur bedingt etwas über den tatsächlichen Säure- und Basengehalt aus. Es ist vielmehr eine grobe Orientierung und so ist sie zu verwenden.
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Bodenanalyse durch ein Labor

Wie kann der pH-Wert verändert werden?

Wenn vermutet oder erkannt wird das der pH-Wert in einem ungünstigen Bereich liegt, kann der Boden-pH-Wert angepasst werden, um ihn in den sauren oder alkalischen Bereich zu verändern. Dazu stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, hier einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten.

pH-Wert anheben (alkalisch)

  • Kalk
Kalk wird aus Bodenkalkstein oder Kreide hergestellt und kann über einen längeren Zeitraum effektiv alkalisieren. Es ist ein sehr beliebter Bodenzusatz, der über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahr den Boden pH-Wert erhöht.

  • Holzasche  
Asche von verbrannten Holz erhöht den pH-Wert und enthält gleichzeitig auch Kalzium und Kalium sowie kleinere mengen Magnesium und Phosphor, wodurch die Fruchtbarkeit der Böden verbessert wird. 

  • Natron 
Natron, auch als Natriumbicarbonat bekannt, kann zügig den pH-Wert anheben, schneller als Kalk, jedoch ist die Langzeitwirkung geringer und muss öfter in den Boden eingearbeitet werden. Muscheln, Austern oder Schneckenhäuser enthalten Calciumcarbonat.


pH-Wert senken (sauer)

  • Kaffeesatz
Der Kaffeesatz senkt den pH-Wert des Bodens stark und wirkt gleichzeitig als Dünger. 

  • Organisches Material
Bei der Zersetzung von organischem Material sinkt ebenfalls der pH-Wert. Geeignet sind hier Torfmoos, Kompost, Mist oder auch kompostierte Blätter. 

  • Schwefel und Eisensulfat
  • Bei schwere Böden eignen sich Schwefel und Eisensulfat, die beide zu einer Versauerung des Bodens beitragen

    • Traubentrester
    Aus der Weinherstellung eignet sich Traubentrester zum herabsenken des pH-Wert. Dies sind die Pressrückstände beim Keltern der Weintrauben, alle festen Pflanzenbestandteile wie Schalen und Kerne.

  • Nadelerde und Rindenmulch
  • Nadelerde oder auch Rindenmulch von Nadelhölzern eignet sich hervorragend zum Mulchen, der gleichzeitig eine Versauerung verursacht.

    Wie für die Pflanze ist auch ein optimaler pH-Wert für die Bodenlebewesen wichtig, um organische Substanzen zu Humus umzusetzen, umso Inhaltsstoffe den Pflanzen zu Verfügung zu stellen. Um ein dauerhaftes gesundes Wachstum zu erhalten, ist ein einigermaßen angepasster Wert zu den Pflanzen nötig. Mit ein bisschen Geduld und diesen Hintergrund wissen, kann ganz einfach der pH-Wert in die gewünschte Richtung verändert werden.

    Zeigerpflanzen - sie zeigen uns den pH-Wert im Boden

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    Sauerampfer - Zeigerpflanze für saure Böden
    Neben den bereits erwähnten Testmethoden können auch Wildpflanzen als Indikator für den pH-Wert im Boden dienen. Die Gattungen und Arten die sich als Indikatoren eignen sind auf ein sehr schmales pH-Wert Spektrum spezialisiert. Pflanzen die uns zeigen welchen pH-Wert wir im Boden vorfinden, habe ich hier im Überblick aufgelistet:

    Pflanzen Indikatoren für saure Böden
    • Heidelbeere [Vaccinium myrtillus] 
    • Heidekraut [Calluna vulgaris] 
    • Preiselbeere [Vaccinium vitis-idaea] 
    • Sonnentau [Drosera] 
    • Hundskamille [Anthemis] 
    • Kleiner Sauerampfer [Rumex acetosella] 
    • Besenheide [Calluna vulgaris] 
    • Magerwiesen-Margerite [Leucanthemum vulgare] 
    • Gänseblümchen [Bellis perennis] 
    • Honiggras [Holcus lanatus] 
    • Ackerminze [Mentha arvensis] 
    • Arnika [Arnica] Borstgras [Nardus stricta] 
    • Sauerklee [Oxalis] 
    • Schmalblättriges Weidenröschen [Chamaenerion angustifolium] 
    • Kiwi [Actinidia deliciosa]

    Pflanzen Indikatoren für alkalische Böden

    • Acker-Senf [Sinapis arvensis] 
    • Gamander-Ehrenpreis [Veronica chamaedrys] 
    • Echter Wundklee [Anthyllis vulneraria] 
    • Bisamdistel [Carduus nutans] 
    • Ackerrittersporn [Consolida regalis] 
    • Wegwarte [Cichorium intybus] 
    • Wiesensalbei [Salvia pratensis] 
    • Lavendel [Lavandula angustifolia]

    Weitere Indikatoren
    Die Farbe von roten Gewächsen wie Rotkohl eignet sich ebenfalls zur groben Bestimmung des pH-Werts. Bei sehr sauren Böden färbt sich das Blattrot oder der gewonnene Saft sehr tief ins rötliche, wobei bei einem eher neutralen Boden das Rot sich in die Richtung blaugrün verfärbt.

    Pflanzen die Gesund und in großer Anzahl im Garten wachsen, können zum abschätzen des pH-Wert im Boden genutzt werden.

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    Im Garten entscheidet der pH-Wert über Leben und Tod der Pflanzen. Er bestimmt durch etliche chemische und biologische Prozesse die Aktivität des Bodenlebens, die Verfügbarkeit von wichtigen Nährstoffen und ist verantwortlich für eine luftige und krümelige Bodenstruktur. Hier habe ich alles ganz einfach Zusammengefasst was wichtig ist um selbstständig den pH-Wert bestimmen und kontrollieren zu können.
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